Eine Woche in der alten Inka-Hauptstadt Cusco – ein Bericht des GeoComPass-Mitglieds Nuria Thanner

Eine Woche in der alten Inka-Hauptstadt Cusco – ein Bericht des GeoComPass-Mitglieds Nuria Thanner

Im Rahmen meines entwicklungspolitischen Freiwilligendiensts ,,WELTWÄRTS“ in Arequipa bot sich mir die Möglichkeit, in der ersten Novemberwoche Cusco, die ,,alte Inka-Hauptstadt“, zu besichtigen. Die zwölfstündige Busfahrt war nach dem ersten Anblick der wunderschönen Stadt schnell vergessen. Neben Arequipa wirkt Cusco trotz seiner 350.000 Einwohner beinahe wie ein idyllisches Dörflein. Ruhiger Verkehr, viel weniger Taxis, eine überschaubare Plaza de Armas – und Busstationen sind nicht nötig, da alles zu Fuß zu erreichen ist.

Den darauffolgenden Tag mussten wir fast ausschließlich im Kombi verbringen, denn unsere Reise zum wohl beliebtesten Ziel in Peru sollte beginnen, dem legendären Machu Picchu. Nach circa acht Stunden kamen wir endlich in Hydroelectrica an. Von hier aus kann man den zweistündigen Fußmarsch entlang des Bahngleises Richtung Aguas Calientes, dem üblichen Übernachtungsort vor Machu Picchu, antreten. Unsere schweren Backpacks nicht in Hydroelectrica zu lassen, war ein großer Fehler. Doch nur so erlebten wir eine kleine Dschungelwanderung bei Nacht.

Um vier Uhr morgens klingelte der Wecker. In den noch dunklen Straßen der kleinen Stadt Aguas Calientes traf man schon auf die anderen Reisenden, die sich alle zum Machu Picchu aufmachten. Obwohl der Anstieg mit zwei Stunden sehr kurz ist, hat er es in sich. Fast ausschließlich steile Treppenstufen, die man nur mit Hilfe des grandiosen Ausblicks auf den aufsteigenden Nebel oder nach jahrelangem Cardio-Training schafft. Am Tor vor Machu Picchu erwarten uns bereits Dutzende Leute und freuen sich zusammen mit uns auf die Inka-Ruinen. Der Durchgang geht zügig und nach offiziellem Betreten des Bergs herrscht Ruhe. Die Mystik dieses Orts verzaubert einen sofort, obwohl man hier und da für ein perfektes Fotomotiv zur Seite gebeten wird. Nachdem wir auch alle für eines der bekannten Machu Picchu-Fotos posiert hatten, erkundeten wir die relativ große Anlage noch etwas genauer. Der Abstieg ging sehr rasch und nach einem kurzen Mittagssnack in Aguas Calientes schnallten wir unsere Rucksäcke wieder auf und wanderten zurück nach Hydroelectrica, wo uns unser Kombi zurück nach Cusco bereits erwarten sollte. Auf Grund eines Steinrutsches gab es allerdings Verzögerungen und wir mussten dem nächsten Bus noch ein Stück entgegengehen.

An Tag Vier in Cusco besichtigten wir im Rahmen einer Bustour das heilige Inka-Tal ,,Valle Sagrada“. Zwischenstopps waren unter anderem die facettenreiche Stadt Olantaytambo, und das landwirtschaftliche Versuchslabor der Inka ,,Moray“, in dem ihre berühmte Terrassentechnik erforscht und perfektioniert wurde. Außerdem die beeindruckenden ,,Salinas de Maras“, wo in hunderten Becken das besonders gesunde, rosa Salz getrocknet wird. Endstation war der Künstlermarkt ,,Pisac“, der, wer hätte es gedacht, ebenfalls von gigantischen Inka-Bauten umrahmt ist.

Am vorletzten Tag standen die 5000 m hohen Rainbow Mountains auf dem Programm. Den Namen haben ihnen die verschiedenfarbigen Mineralien eingebracht, die sich streifenweise auf der Oberfläche der Berge abgelagert haben. Mit einem Reisebus werden wir bereits auf 4500 m gebracht und über die Risiken in dieser Höhe genauer aufgeklärt. Nicht selten erwischt Europäer und andere Urlauber nämlich die Höhenkrankheit, von den Einheimischen auch „Soroche“ genannt. Eines der Opfer darunter bin leider auch ich. Trotz Coca-Blättern und Kräutersäften. Doch auch ich bin schließlich, wenn auch als Letzte der Reisegruppe, am Gipfel angekommen und habe die Entscheidung mitzukommen keine Sekunde bereut. Leider konnten wir nicht nur aus gesundheitlichen Gründen nicht lange am Gipfel verweilen, sondern auch auf Grund eines plötzlichen Wetterumschwungs. Es begann heftig zu hageln und zu schneien. Überglücklich, wieder am Bus angekommen zu sein, schliefen wir alle in unserer durchnässten Kleidung ein.

Meinen letzten Tag in Cusco musste ich dank der Höhenkrankheit leider im Hostelzimmer verbringen. Gegen Abend tranken wir noch einen letzten Kaffee auf der wunderschönen, sonnigen Plaza de Armas Cuscos. Erst ,,zu Hause“, in Arequipa, angekommen, waren wir in der Lage die unzählbaren großartigen Eindrücke dieser Woche etwas zu verarbeiten. Für uns stand fest: Cusco, die faszinierende Inka-Stadt – wir kommen wieder!

Bildnachweis: Thanner

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