Südtirol und Trentino – Sprachen und Minderheiten im Spiegel der Kulturlandschaft

GeoComPass UNTERWEGS | Im Trentino, seinerzeit auch "Welsch-Tirol" genannt, dominiert seit jeher das Italienische. Doch haben sich bis heute wenige deutsche Sprachinseln erhalten. Wie bildet sich das sprachliche Konglomerat in der Kulturlandschaft ab? Und wie ist die Zukunft dieser sprachlichen Situation zu bewerten?

GeoComPass UNTERWEGS | Im Trentino, seinerzeit auch "Welsch-Tirol" genannt, dominiert seit jeher das Italienische. Doch haben sich bis heute wenige deutsche Sprachinseln erhalten. Wie bildet sich das sprachliche Konglomerat in der Kulturlandschaft ab? Und wie ist die Zukunft dieser sprachlichen Situation zu bewerten?

Speakers

Penz, Hugo
Prof. Dr.

Start

6. September 2015 - 8:00

End

10. September 2015 - 18:00

Die Region zwischen dem Brenner und dem Gardasee wird nicht nur durch außerordentlich starke Gegensätze im Naturraum, sondern auch durch unterschiedliche Kulturlandschaften geprägt, deren Gestaltung häufig mit den ethnischen Strukturen erklärt wird. Diese gehen auf das Mittelalter zurück, als sich im Trentino die italienische und in Südtirol die deutsche Sprache durchgesetzt hat, die früher auch in einigen Gebieten südlich von Salurn – der heutigen Sprachgrenze – verbreitet war. Bis in das 19. Jahrhundert lebten die Sprachgruppen friedlich nebeneinander, erst infolge des aufkommenden Nationalismus fühlten sich die Italiener benachteiligt und nach dem Ersten Weltkrieg litten umgekehrt die deutschen Südtiroler unter der Italienisierungspolitik. Durch das Autonomiestatut wurden nicht nur die Spannungen zwischen den Sprachgruppen überwunden, sondern auch ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum eingeleitet, so dass sich Südtirol und das Trentino aus Notstandsgebieten zu wohlhabenden Provinzen entwickeln konnten. Diese Prozesse werden im Rahmen der Exkursion am Beispiel mehrerer Städte (Bozen, Trient, Brixen, Sterzing, Riva, Arco, Rovereto) und von unterschiedlichen ländlichen Gebieten ausführlich behandelt. Ein Exkursionstag ist den (ehemaligen) deutschen Sprachinseln gewidmet, in welchen sich der altbairische Dialekt nur im Fersental und in der Gemeinde Lusern halten konnte. Auch auf die Problematik der Ladiner in den Dolomiten wird eingegangen.

Bildnachweis: Werner Gamerith